Global #44: Die Luft ist raus. Neue Fahrradmäntel – Made in India/ Thailand

Indien ist zweifelsohne eine Radfahrernation, wenngleich in den Städten (leider) überwiegend motorisierte Zweiräder und TukTuks dominieren. Das Radfahren hat aber lange Tradition und das weitverbreitete Atlas-Herrenrad, ursprünglich von den Engländern während der Kolonialzeit designed und entwickelt, wird noch heute nahezu unverändert produziert. Charakteristisch ist dabei übrigens die Gestängebremse, welche ohne Bowdenzug auskommt und quasi unkaputtbar ist. Die Versorgung mit Ersatzteilen ist vergleichsweise gut und herkömmliche Komponenten wie Reifen, Schläuche, Ketten, Pedalen oder Speichen bekommt man in ausreichender Qualität.

Nun aber zum eigentlichen Thema…
Auf längeren Radreisen kommt es früher oder später vor, dass Verschleißteile ersetzt werden müssen. Klassisches Beispiel ist hier der Fahrradmantel, welcher besonders hohen Belastungen ausgesetzt ist. Er muss nicht nur mit unterschiedlichen Wetterverhältnissen klarkommen, sondern auch rauhen Asphalt, scharfe Steine, spitze Dornen und Glassplitter abwehren können.

Nach nur knapp 2.000 Kilometer muss ich meinen Mantel am Vorderrad wechseln, welchen ich zwar erst in Dubai gekauft habe, der jedoch ungeeignet für die trockenen Wüstenregionen Rajasthans ist. Denn das unzureichende Profil ist den unzähligen stacheligen Zweigen und Büschen nicht gewachsen und so haben sich wiederholt spitze Dornen spielend durch den Mantel gebohrt, wodurch ich die letzten Tage mehrere Platten flicken musste.

Also ist es nun in Jodhpur Zeit ein Radfachgeschäft aufzusuchen und einen neuen Fahrradmantel zu kaufen. Im Vorfeld habe ich mich erkundigt, welche Fabrikate in Indien erhältlich sind und habe schnell vom Hersteller „Metro“ erfahren, welcher zu den größten Reifenherstellern Indiens zählt. Für 300 Rupie kaufe ich einen Reifen des Herstellers in der Größe 26 Zoll x 1,75. Die Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck und die Gummimischung fühlt sich fest an, was eine hohe Laufleistung erwarten lässt.
Die ersten Kilometer im Praxistest schlägt er sich schon mal ganz gut. Natürlich werden aber erst die nächsten Wochen zeigen, ob Top oder Flop.

Nur 250 Kilometer weiter in der Stadt Udaipur entscheide ich auch den Mantel am Hinterrad zu wechseln. Trotz einer Vielzahl von Radfachgeschäften bekomme ich den Metro Mantel hier nicht. Stattdessen habe ich die Wahl zwischen den Herstellern „Mustang“ und „Hindustan“,  welche beide indische Produzenten sind, aber nicht qualitativ überzeugen. Letztendlich finde ich einen Mantel der thailändischen Marke Kenda In der Größe 26 x 2.10 und bin überaus zufrieden.

In Deutschland bin ich übrigens mit den Fahrradmänteln „Schwalbe Mondial“ gestartet. Leider ist mir einer unterwegs in Rumänien aufgerissen, während der andere erst nach über 11.000 Kilometern Laufleistung gewechselt werden musste.

Anmerkung: In Indien bekommt man auch problemlos 28 Zoll Bereifung. Neben dem indischen Hersteller Metro sind auch Reifen der Firma VeeRubber erhältlich. Schwalbe und Continental hingegen nur in spezialisierten Fachgeschäften.

Gleich nach unserer Ankunft in Delhi muss ich nochmal flicken, weil noch ein Dorn aus dem Oman im Profil steckt. 
Fahrradwerkstätten gibt es viele, aber spezielle Ersatzteile wird man hier wohl kaum finden.
Die Natur hat sichtbar aufgerüstet. Übrigens eignen sich die langen Stacheln prima als Zahnstocher. 
Schwalbe Rapid Rob nach 2.000km; Schwalbe Mondial nach 11.000km; Metro Fahrradmantel; Kenda Krusher Fahrradmantel (v.li.n.re)
Die indische Firma Atlas baut noch heute Fahrräder nach dem gleichen Design wie vor fast hundert Jahren.

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