Global #79: „Fly over States“ – Meine Fahrt durch den Mittleren Westen der USA

Viele Amerikaner bezeichnen den Mittleren Westen der USA als sogenannte „Fly over States“. Dies ist abwertend gemeint, da die Industrie- und Ballungszentren der USA im Wesentlichen an der West- und Ostküste liegen und die meisten Amerikaner den Mittleren Westen nur aus der Vogelperspektive, während des Überfluges, gesehen haben. Doch mit diesem Klischee wird man diesen Staaten nicht ganz gerecht…

Dass fast alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten und Nationalparks im Westen der USA liegen war mir von vornherein bekannt und mit Verlassen der Rocky Mountains soll es nun durch den Mittleren Westen der USA gehen, welcher durch seine ausgeprägte Landwirtschaft und endlose Maisfelder besticht. Und das meine ich noch nicht Mal abwertend, da mir die Reizreduzierung nach den vielen Highlights der letzten Wochen gut tut und ich in der flachen Ebene entspannt vorwärts komme. Zudem erinnert mich die Gegend in Kansas und Nebraska mit ihren Feldern, Wiesen, Flüssen und Wäldern auch an meine Heimat in Ostdeutschland, wodurch schon fast ein wenig Heimweh aufkommt.

Weil die gesamte Region als strukturschwach gilt und Industrie oder Tourismus so gut wie nicht vorhanden sind, leben viele Menschen von der Landwirtschaft. Bei Gesprächen, welche sich übrigens bei jeder Gelegenheit spontan ergeben, die Menschen hier sind ausgesprochen kontaktfreudig, höre ich aber immer wieder die gleichen Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum (insbesondere Crystal Meth) und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich.
Dennoch bin ich überrascht mit welchem Optimismus die Menschen hier in die Zukunft schauen und muss dabei an unsere neuen Bundesländer in Deutschland denken, wo die Situation teilweise vergleichbar ist.

Und auch an Sehenswürdigkeiten, wenn auch kuriosen, wie z.B. der weltgrößte Ball aus Sisal-Schnur in der Kleinstadt Cawker, mangelt es nicht. Zunächst dachte ich es handelt sich um Hanffasern, aber die Fasern werden aus der Sisal-Agave gewonnen, welche überwiegend in Mexiko kultiviert wird. Abgesehen davon erspähe ich immer wieder uralte Oldtimer welche bereits seit Jahren auf irgendwelchen Schrottplätzen dahinrosten aber immernoch die Blicke auf sich ziehen.

Ende Mai werde ich dann auch Zeuge des „Memorial Days“, welcher Nationalfeiertag ist und an dem man den Gefallenen der unzähligen amerikanischen Kriege gedenkt. Während ich die Trauer noch gut verstehen kann, ist mir aber der Patriotismus und Heroismus suspekt und gerade in den Medien aber auch in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung fehlt mir der kritische Ansatz zum Krieg, der Schuld und seinen globalen Auswirkungen.

Nach der Stadt Colorado Springs geht es durch die flache Ebene.
Auf dem Highway 24 geht es Richtung Osten.
Sonnenuntergang in der Stadt Colby
Der weltgrößte Sisal-Schnur Ball in der Stadt Cawker.
Zelten ist kein Problem und in vielen Städten kann man im Park kostenlos übernachten.
Abgsehen von den endlosen Feldern wird es auch mehr und mehr grün.

 

Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit.
Fahnenmeer am Memorial Day in der Stadt Beatrice.

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