Global #82: Detroit – Wiege der amerikanischen Automobilindustrie oder Zentrum der Urbanen Gartenbau-Kultur

Seit dem eintretenden Verfall der amerikanischen Automobilindustrie in den 1970er Jahren hat sich das Stadtbild Detroits dramatisch geändert und die Auswirkungen sind bis heute weithin sichtbar. Von den ehemals zwei Millionen Einwohnern sind allein in den Jahren 2000 bis 2010 über 250.000 Einwohner abgewandert, sodass heute nur noch knapp 650.000 Menschen hier leben. Davon zeugen auch die Wohnviertel, die mit unzähligen leerstehenden Häusern, Geschäfts- und Fabrikgebäuden wie Geisterstädte wirken.
Obwohl noch heute Automobilriesen wie General Motors oder Chrysler hier produzieren und zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen haben sich in den letzten Jahren auch neue Firmen der Branchen Raumfahrt, Energieversorgung, Fahrradbau und Landwirtschaft niedergelassen. Durch die niedrigen Grundstücks- und Mietpreise haben sich zudem unzählige Künstler und Kreative angesiedelt, welche das Stadtbild maßgeblich mitgestalten.
Bei und  mit meinen Gastgebern Kevin und Audrey verbringe ich das Wochenende in der City und mit ihren Freunden unternehmen wir am Freitagabend eine Kneipentour und besuchen anschließend die „Temple Bar“, wo sich die Technoszene Detroits trifft.
Nach einer kurzen Nacht und noch leicht verschlafen besuchen wir Samstagmorgen den „Eastern Market“, wo wir neben ein paar kleinen Snacks lokales Obst, Gemüse, Eier, Speck und Kräuter einkaufen und anschließend ein leckeres Frühstück genießen.
Mittlerweile landesweit bekannt ist Detroit auch für seine städtische Gartenbaukultur. Ursprünglich aus der Not heraus entstanden, dass sich viele Einwohner aufgrund der fehlenden Einkommen kaum frisches Gemüse und Obst leisten konnten, haben sich daraus über die Jahre weitverzweigte gut organisierte Projekte entwickelt, welche zunehmend auch mit Schulen und sonstigen Einrichtungen verknüpft sind. Einer dieser Stadtgärten ist die „Michigan Urban Farming Initiative“, kurz MUFI. Auf dem gut einen Hektar großen Grundstück im Norden Detroits sind neben mehreren Gewächshäusern diverse Beete und Hochbeete, ein Bienenhaus, eine Streuobstplantage und natürlich ein Vereinshaus integriert. Wer Lust und Laune hat kann hier gerne zu den regelmäßigen Arbeitseinsätzen vorbeischauen, was bei mir leider zeitlich nicht geklappt hat.
Bevor es für mich über den Detroit River nach Kanada geht, besichtige ich am Sonntagvormittag noch die „Ford Piquette Avenue Fabrik“ – die Wiege des Automobilherstellers Ford. Als der Hersteller Henry Ford mit der damals revolutionären Fließbandfertigung das   massentaugliche und preiswerte „Model T“ auf den Markt brachte, war quasi über Nacht das Automobil für jedermann erschwinglich und das neuartige Produktionsverfahren wurde schnell zum Standard in der gesamten Industrie. In den Folgejahren schossen dann immer größere Fabriken aus dem Boden und beschäftigten tausende Arbeiter, bis dann die nächste Revolution, die Automatisierung sowie die Globalisierung den Untergang der einst stolzen Automobilindustrie einleitete.
Entlang des Detroit gelange ich von Süden kommend in die Stadt Detroit.

 

Die Konzernzentrale von General Motors und das Baseball Stadion der „Tigers“.
Die Ambassador Brücke, welche Detroit mit der Stadt Windsor (Kanada) verbindet.
In Detroit sind über 80 Prozent der Einwohner Afroamerikaner.
Der Stadtgarten „Mufi“ im Norden der Stadt.
An den Fassaden verlassener Häuser und Fabriken findet sich überall kunstvolles Graffiti.
Überall kann man leerstehende Fabriken und Häuser finden.
Mit meinen Gastgebern Kevin und Audrey gehen wir Freitagnacht in der „Temple Bar“ feiern.
Die Ford Piquette Fabrik
Heutige Produktionsstätten der Automobilindustrie.
Arbeitszimmer von Henry Ford. In den einstigen Produktionshallen findet sich heute eine Oldtimer-Ausstellung.
Die Entwicklungsabteilung von Ford. Hier wurde das Model T entwickelt.

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