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Global #15: Endspurt nach Erzurum und ein Patzer in meiner Werkzeugausrüstung

Die letzte Etappe bis Erzurum lasse ich entspannt angehen. Nico ist mittlerweile wieder fit und hat am 14. August einen Flug nach Kutaissi in Georgien genommen. Von dort radelt er zwei Tage später Richtung Erzurum und wird voraussichtlich am 20./21. August dort ankommen.

Ich habe somit viel Zeit und fahre nur noch 70-80 Kilometer pro Tag und nutze die Zeit für spontane Einladungen zum Tee oder Essen. Aber auch zum Lesen meiner Reiselektüre, welche passend zu den Ländern und Regionen abgestimmt ist und mir viel über die politischen und kulturellen Verhältnisse in der Türkei und vorab zum Iran vermitteln.

Auffällig ist, dass selbst im deutlich dünner besiedelten Ostanatolien die Infrastruktur massiv ausgebaut wird. Entlang der Fernstraße D100 kreuze ich immer wieder Baustellen und auch das Schienennetz wurde erst kürzlich erneuert. Der Zugverkehr beschränkt sich aber größtenteils auf Güterwagen und nur einmal fährt ein Personenwagen an mir vorbei.

Vor und hinter der Stadt Erzincan geht es nochmal auf jeweils über 2.000 Höhenmeter und auch das Wetter ist etwas wechselhaft,  sodass ich erstmals seit Bulgarien wieder einen Regenschauer abbekomme.

Auf den letzten 50km vor Erzurum verlasse ich endlich die Fernstraße und radel auf einer wunderschönen kurvigen Nebenstraße durch ein Seitental. Die Landschaft ist spektakulär von den umliegenden Felsmassiven eingefasst und das Flussbett sorgt für den passenden grünen Kontrast.

In Erzurum komme ich am Morgen des 19. August an und suche zunächst ein Radfachgeschäft auf um meine Kette zu wechseln. Im ersten Geschäft bekomme ich nur eine Kette minderer Qualität und merke dies aber erst, als die Kette schon verbaut und bezahlt ist. Die Kettenglieder sind so schlecht verarbeitet, dass die Kette rasselnd auf dem Ritzel läuft.

Sofort mache ich mich auf die Suche nach einem besser ausgestatteten Geschäft und werde nach intensiver Suche unweit des Bahnhofes fündig. Die gekaufte Kette von Shimano ist um Welten besser und läuft ruhig und sauber. Bei der Montage habe ich jedoch feststellen müssen, dass das Ritzel meiner Rohloff-Schaltung bald gewechselt bzw. gedreht werden muss, da die Zahnräder schon leicht abgerundet sind und somit nicht mehr optimal in die Kette greifen.

Nur zu dumm, dass man für die Demontage des Ritzels einen speziellen Abzieher der Firma Rohloff benötigt und ich diesen nicht dabei habe. Ich fahre die Rohloff-Nabenschaltung erst seit einem guten halben Jahr und bin offensichtlich noch nicht mit allen Details vertraut…

Da es sich um ein sehr spezielles Werkzeug handelt, bekomme ich es in der Türkei nirgends zu kaufen und eine Zustellung aus Deutschland wäre zeitaufwendig und kostspielig. Ziemlich frustriert wende ich mich daher an das Internet und finde eine Anleitung zum Selbstbau. Nachdem ich ein passendes Rohrstück mit 3/4″ Durchmesser auf dem Basar gefunden habe, suche ich eine Werkstatt in einer Nebenstraße auf. Trotz Sprachbarrieren gelingt es mir mit dem ausgebauten Hinterrad samt Schaltung und Bildern aus dem Internet mein Anliegen zu erklären. Innerhalb von weniger als einer halben Stunde wird mir ein passendes Werkzeug mittels Drehbank und Fräse angefertigt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist zudem mit 1€ Materialkosten und 27€ Arbeitskosten nicht teurer als das Original.

Um ein riesiger Problem erleichtert kann ich nun die nächsten Tage entspannt zur Besichtigung der Altstadt nutzen, ehe es dann die letzten Kilometer bis zur iranischen Grenze geht.

Tee aus dem holzbefeuerten Samowar gibt es an jeder Ecke 
Im Hochland wird es zunehmend grüner 
Picknick-Plätze wie dieser sind bei den Türken überaus beliebt 
Die Infrastruktur wird vielerorts massiv ausgebaut 
Durch ein abgelegenes Nebental radel ich die letzten Kilometer bis Erzurum 
Die Bienenzucht ist weit verbreitet in Anatolien 
Auf der Drehbank lasse ich mir den Abzieher für meine Nabenschaltung anfertigen 
Das Resultat: Eine Spezialanfertigung eines Abziehers
Mit dem passenden Schraubenschlüssel und Kettenpeitsche kann ich somit das Ritzel abziehen 
Innenstadt von Erzurum 

Global #14: Durch die Täler Anatoliens

Mittlerweile habe ich die Hochebenen Anatoliens wieder verlassen und fahre entlang der milden fruchtbaren Täler Richtung Erzurum. Neben Äpfeln, Pflaumen und Birnen werden vor allem auch Pfirsiche angebaut, welche gerade Erntezeit haben.

Einige Kilometer hinter der Stadt Tosya treffe ich auf die Radreisenden Heike und Ludwig aus Bad Klosterlausnitz,  was unweit meiner Heimatstadt liegt. Sie sind einen Monat vor mir gestartet und fahren drei Jahre um die Welt, ehe sie 2020 wieder zurück nach Deutschland wollen. Unterwegs treffen wir uns nochmal am Straßenrand und machen eine längere Teepause, wobei wir uns viel zu erzählen haben. In Osmancik Essen und Trinken wir noch gemeinsam eine Kleinigkeit, ehe ich die Stadt am späten Nachmittag verlasse.

Keine 10km weiter mache ich Bekanntschaft mit den Kurden Emre und Ömer, welche für ein paar Monate eine Tankstelle betreiben. Am nächsten Morgen geht es für mich stetig bergauf bis Gümüshaciköy. Noch recht verschlafen mache ich am Straßenrand an einem Brunnen Frühstückspause und werde prompt mit Brötchen und gewickelten Weinblättern versorgt.

Am Nachmittag schaue ich mir dann noch die Stadt Amasya an, welche unzählige Sehenswürdigkeiten wie z.B. die 1488 errichtete Büyük ağa medresesi hat, welche heute noch kulturelles und religiöses Zentrum der Stadt ist.

Heike und Ludwig aus Bad Klosterlausnitz 
Emre ist Tankstellenwart und studiert in Zypern 
Amasya
büyük ağa medresesi
Pfirsiche haben gerade Erntezeit in Anatolien 
Morgenröte auf der D100 kurz vor Tasova

Global #13: Von der Metropole Istanbul ins ländliche Anatolien

Nach einer fünftägigen Pause verlasse ich am Sonntagmorgen die Stadt Istanbul. Im Verkehrschaos geht es langsam vorwärts und unterwegs mache ich noch einen Abstecher zur Moschee auf dem Camlica Hügel, welche zu den größten Neubauten seit Entstehung der Türkei zählt.

Nach Norden radelnd folge ich zunächst dem Bosporus und fahre dann weiter entlang der Schwarzmeerküste. Leider sind hier die Straßen entweder sehr schlecht bis unbefestigt oder extrem steil, sodass ich mein Rad des Öfteren schieben muss.

Am nächsten Tag entscheide ich mich deshalb wieder ins Hinterland zu fahren und folge dann ab Sakarya der Fernstraße D100, welche über Erzurum bis in den Iran verläuft. Auf der Strecke treffe ich an einem Vormittag auch auf den Schweizer Timo. Er ist Anfang 20 und seit acht Monaten auf Wanderung durch Europa gewesen, ehe er kürzlich hier in der Türkei angekommen ist. Da er momentan trampt treffen wir uns noch mehrmals wieder und so erfahre ich, dass er unterwegs gelegentlich arbeiten war, durch die Karpaten wanderte und sogar ein paar Tage in der Ukraine verweilte. Jetzt führt ihn seine Reise erstmal nach Ankara und da er später nach Georgien möchte, sehen wir uns vielleicht vorher in der Osttürkei wieder.

Hinter der Stadt Gerede zweigt der Verkehr nach Ankara ab, wodurch ich wesentlich weniger Lärm und Stress auszustehen habe. Die Landschaft ist mit den imposanten Bergen sehr beeindruckend und immer wieder wechseln sich Wälder mit kargen Steppen ab und  gelegentlich komme ich an größeren Seen vorbei. Bedeutsame Städte kreuze ich aber immer seltener, weshalb mir ein wenig Abwechslung fehlt. Gerade bin ich kurz vor der Stadt Tosya und habe noch über 800km bis Erzurum, wo ich Ende nächster Woche Nico wiedertreffen möchte.

Mit der Fähre überquere ich den Bosporus 
Der Moschee-Neubau auf dem Camlica Hügel
Es geht entlang der Schwarzmeerküste 
Lager von Zigeunern sehe ich oft in der Türkei 
Timo aus der Schweiz ist seit mehr als 8 Monaten auf Wanderung 
Die Türkei ist Hauptanbaugebiet für Haselnüsse und beliefert auch Konzerne wie Ferrero 
Das anatolische Hochland wirkt endlos 
Hitze und Wind machen mir sichtbar zu schaffen 🙂

Global #12: Unterwegs in Istanbul ein wenig abseits des Tourismus

Am letzten Tag vor meiner Weiterreise Richtung Anatolien genieße ich am frühen Morgen den Blick über Istanbul vom Galata-Turm. Eigentlich sollte man hier abends hingehen, da sich dann das Bosporusufer im untergehenden Sonnenschein am schönsten zeigt. Dafür habe ich nun am Morgen meine Ruhe und muss nicht stundenlang in der Schlange warten.

Anschließend schlendere ich durch die Istiklal Cadessi,  eine der bekanntesten Einkaufsstraßen der Stadt. Momentan wird sie aufwendig saniert und soll wie früher wieder eine einspurige Straßenbahnlinie erhalten. Ein paar Meter weiter findet an diesem Vormittag eine kleine Gedenkfeier bzw. Demonstration statt, nur kann ich das aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht genauer nachvollziehen. Auch die Polizei ist reichlich vertreten, es bleibt jedoch auf beiden Seiten friedlich.

Der Istiklal Cadessi folgend gelange ich nach gut einem Kilometer zum Taksim-Platz und dem angrenzenden Gezi-Park. Hier kam es 2013 zu den schweren Ausschreitungen deren Bilder um die Welt gingen. Auslöser waren in erster Linie die Politik Erdogans und der angestrebte Umbau des Gezi-Parks, welcher zu den letzten größeren freien Grünflächen in der Stadt zählt.

Blick vom Galata-Turm auf die Bucht „Goldenes Horn“ vom Bosporus 
Die Einkaufsstraße Istiklal Cadessi wird umfassend saniert 
Der Gezi-Park ist eine grüne Oase im sonst dicht bebauten Stadtzentrum 
Der Taksim-Platz war Zentrum der heftigen Demonstration 2013
Kundgebung in der Istiklal Cadessi 

Global #11: Istanbul – die Perle am Bosporus

Nach meiner Ankunft in Istanbul habe ich am folgenden Morgen zunächst versucht ein Hostel zu finden. Aufgrund des merklich zurückgegangenen Tourismus haben aber einige Hostels bereits aufgegeben und erst bei der dritten Adresse habe ich Erfolg. Keine 100m vom Galata-Turm buche ich für die nächsten vier Nächte einen Schlafplatz. Mein Viertel liegt auf einem Hügel direkt am Bosporus und in weniger als fünf Gehminuten ist man am Ufer angekommen. Also optimal für eine ausgiebige Stadtbesichtigung.

In den folgenden Tagen besuche ich unter anderem die Sultan Ahmet Moschee, welche für ihre aufwendig verzierten blauen Fliesen bekannt ist und deshalb auch Blaue Moschee genannt wird. Unweit der Moschee findet sich übrigens auch der Deutsche Brunnen, welcher 1898 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. als Zeichen der guten deutsch-türkischen Freundschaft errichtet wurde.

Des Weiteren besuche ich noch die Gräber der Hagia Sophia, wo bedeutende Herrscher des Osmanischen Reiches ruhen. Ursprünglich wurde die Hagia Sophia als christliche Kathedrale errichtet und galt lange als bedeutendste Kirche im byzantinischen Reich. Nachdem die Muslime aber Konstantinopel zurückerobert hatten, wurde sie fast fünf Jahrhunderte als Moschee genutzt. Seit Atatürk (Mustafa Kemal) Anfang des 20. Jahrhunderts die Trennung von Staat und Religion einführte, wurde die Hagia Sophia als reines Museum umgestaltet, wo keine Gebete mehr stattfanden. Unter Präsident Erdogan wird jedoch wieder der Rückbau zur Moschee angestrebt, was viele Kritiken auslöste.

Ein absolutes Highlight in Istanbul ist der Topkapi Palast,  wo die Sultane samt Harem und Gefolgschaft ihre Residenz hatten. Heute werden hier bedeutende Schätze des Osmanischen Reiches ausgestellt,  was man sich nicht entgehen lassen sollte.

Neben  den vielen historischen Sehenswürdigkeiten genieße ich aber auch öfters einfach die Kleinigkeiten und schlendere entspannt am Ufer des Bosporus entlang oder verliere mich beim Bummeln in den unzähligen lebhaften bunten Nebenstraßen.

Hagia Sophia
Angeln im Bosporus ist äußerst beliebt 
Europa ist geschafft. Sonntag geht es weiter nach Asien 
Die vielen Lichter und Farben sorgen nachts für eine beeindruckende Stimmung 
Der Galata-Turm: einst Wachturm ist er heute der beliebteste Aussichtspunkt Istanbuls 
Sultan-Ahmet Moschee
Das Empfangshaus der Sultane im Topkapi Palast 
Blick auf die asiatische Seite Istanbuls 
Der Deutsche Brunnen unweit der Blauen Moschee 
Polizei und Militär sind vor allem in den Touristen – Vierteln sehr präsent 
Ein Besuch auf dem großen Basar ist zwar beeindruckend, aber ebenso anstrengend 

Global #10: Willkommen in der Türkei – Von Edirne bis Istanbul

Wenn man von Bulgarien in die Türkei einreist muss man in der Regel zunächst stundenlang an der Grenze warten. Gerade jetzt in den Sommerferien fahren unzählige deutsch-türkische Familien in ihr Heimatland. Als Radfahrer komme ich somit schnell ins Gespräch und muss zudem nicht lange in der Schlange warten, sondern fahre einfach vor bis zum Checkpoint.

Nach einer guten halben Stunde habe ich dann bereits die ganze Prozedur hinter mir und fahre bis Edirne, um in der lebhaften Altstadt ausgiebig Mittagsrast zu machen. In einem kleinen Imbiss bestelle ich mir türkische Pide und frischen Ayran und plane erstmal die weitere Route bis Istanbul.

Am frühen Nachmittag verlasse ich die Stadt und fahre weiter über Kirklareli. Ich wähle bewusst die nördlichen Straßen nach Istanbul, da hier erfahrungsgemäß weniger Verkehr ist.

Am nächsten Tag mache ich in der Stadt Vize eine kleine Pause und komme sofort mit zwei Studenten ins Gespräch. Bei einer Tasse Tee erzählen sie mir, dass sie auf der Mittelmeerinsel Zypern Architektur bzw. Physiotherapie studieren und gerade Semesterferien haben.

Am Abend des Tages komme ich in dem kleinen Dorf Gümüspinar an. In einem kleinen Park darf ich mein Zelt aufschlagen und da der Besitzer früher drei Jahre in Deutschland lebte, können wir uns sogar sehr gut verständigen. Und so kommt es, dass ich dann abends mit seinen Freunden gemeinsam am Tisch sitze und wir traditionell Raki trinken.

Erst am Morgen danach merke ich, dass es wohl ein oder zwei Raki zu viel waren. Zudem habe ich starken Gegenwind und komme nur mühsam vorwärts. Auf den letzten Kilometern vor Istanbul erkenne ich, dass unzählige neue Straßen seit meinem letzten Besuch in 2014 entstanden sind. Später erfahre ich, dass 35km nördlich von Istanbul gerade unter Hochdruck der größte Flughafen Europas entsteht. Auf den Straßen ist entsprechend das Chaos los. Hunderte, wenn nicht sogar tausende Lkw-Kipper sind unermüdlich im Einsatz. Dank der dreispurigen Straßen und dem breiten Standstreifen komme ich aber meist trotzdem sicher voran.

Am Abend des 1. August 2017 erreiche ich schließlich das Ufer des Bosporus und habe somit den europäischen Kontinent erfolgreich durchquert.

Urlaubsstau an der türkischen Grenze 
Innenstadt von Edirne 
Bis Istanbul ist es nicht mehr weit 
Die Minarette der Moscheen und übergroße Türkei – Fahnen prägen vielerorts das Stadtbild 
Meine erste Runde Raki in der Türkei 
Die Landschaft ist bergig aber die Straßen sind sehr gut
Nördlich von Istanbul entsteht der größte Flughafen Europas 

Global #9: Bulgarien – auf abgelegenen Straßen durch Natur pur

Nach dem zermürbenden Verkehr in und um Bukarest finde ich nun in Bulgarien das sehr willkommene Gegenteil. Die Straßen sind viel weniger befahren  und zudem bin ich häufig auf kleineren Nebenstraßen unterwegs. Kurz vor der Stadt Russe überquere ich die imposante Donau und möchte zunächst Geld mit meiner Visa-Karte abheben. Aus unerklärlichen Gründen habe ich aber wie  zuvor in Ungarn wieder einmal Probleme und mehrere Bankautomaten verweigern meine Abhebung. Zudem ist es bereits recht spät und so verliere ich langsam die Geduld. Zum Glück finde ich letztendlich noch eine Wechselstube und tausche schnell 20 Euro um.

Über kleine Ortschaften wie Dve Mogili und Borowo geht es am nächsten Morgen weiter südwärts. Es ist am Vormittag zur Abwechslung recht kühl und wolkig, was mir eine willkommene Abwechslung ist.

Die Dörfer und Städte wirken fast vergessen und vielerorts verfällt zunehmend die Substanz der Häuser sowie der restlichen Infrastruktur. Die meisten Menschen wirken dennoch optimistisch und sind meist freundlich und hin und wieder komme ich mit dem ein oder anderen in ein kurzes Gespräch, wobei es natürlich aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse immer wieder Missverständnisse gibt 😉

Kurz vor der Stadt Elena radel ich durch den unscheinbaren Ort Zlataritsa. Mitten im Zentrum finde ich ein ausgeschlachtetes Mig Kampfflugzeug und bin leicht verwundert wie es wohl hierher kam. Es handelt sich nicht um ein Schaudenkmal und dementsprechend ist auch der Zustand schlecht, sodass eigentlich nur noch der Flugzeugrumpf vorhanden ist.

Als nächstes geht es dann noch über das Balkangebirge weiter Richtung Süden. Auf ca. 1.145m Höhe kreuze ich hier den Fernwanderweg E3, welcher mir vor allem aus dem Erzgebirge geläufig ist. Für die meisten ist er vielleicht eher bekannt als Bestandteil des Jakobsweges.

Momentan befinde ich mich in Nowa Zagora und werde heute noch weiter bis kurz vor  die Bulgarische/ Türkische Grenze nahe der Stadt Edirne fahren.

Farbenfroher Zugverkehr in Bulgarien 
Landschaft nördlich des Balkangebirges 
Cockpit der russischen Mig
Bis auf den Flugzeugrahmen ist nicht mehr viel erhalten geblieben 
Balkangebirge mit Blick auf die Stadt Twardiza 
Stadt Twardiza im Hintergrund 

Global #8: Bukarest – Klein-Paris in Osteuropa

Bukarest ist für viele ein grauer Fleck auf der Landkarte, doch hat es unzählige Sehenswürdigkeiten zu bieten und besticht zudem durch Einflüsse aus dem einstigen Osmanischen Reich sowie verschiedener westlicher Stilelemente, welche der rumänischen Hauptstadt auch den liebevollen Namen Klein-Paris verdankt. Das bauliche Stadtbild ist geprägt von verschiedenen Baustilen wie z.B. Bauhausstil, Brancoveanustil oder Jugendstil aber auch durch den sog. pompösen Zuckerbäckerstil, welcher durch den letzten Diktator Ceausesco das Stadtbild nachhaltig prägte. Hierdurch wurden jedoch große Teile der historischen Altstadt zerstört. Der Größenwahn der damaligen Zeit wird vor allem durch den gigantischen Parlamentspalast widergespiegelt, welcher gemessen an der Nutzfläche zu den größten Gebäuden der Welt gehört.

Neben dem Parlamentspalast habe ich auch noch den Platz der Revolution besucht, wo viele bedeutsame Veränderungen ihren Ursprung haben und auch der Sturz des Diktators Ceausesco 1989 seinen Anfang nahm.

Die gesellschaftlichen Unterschiede sind wie im Rest Rumäniens gravierend. Während einige wenige einen beachtlichen Wohlstand vorweisen können,  lebt der Großteil in weit bescheideneren Verhältnissen. Mittlerweile zur weltweiten Bekanntheit sind auch die sog. Kanalmenschen geworden, welche von der Gesellschaft ausgestoßen ihr Dasein im weit verzweigten Abwassersystem unter der Stadt fristen. Einer dieser Eingänge befindet sich recht unscheinbar direkt vor dem Bahnhof Gara de Nord. Es wird geschätzt, das unter der Oberfläche Bukarests mittlerweile mehrere hundert Menschen leben.

Fahrradfreundlich ist Bukarest übrigens nur bedingt. Radwege sind selten vorhanden und der Verkehr ist dermaßen dicht, dass man selbst mit dem Fahrrad nur langsam vorwärts kommt und zudem von den Autofahrern wenig beachtet wird. Für mich geht es dann morgen wieder südwärts Richtung Bulgarien, sodass ich nächste Woche bereits in Istanbul ankommen werde.

Typische graue Fassaden im Bukarester Stadtbild
Drogen gibt es auch in Rumänien nicht legal 😉
Der Triumpfbogen nach dem Pariser Vorbild 
Der Platz der Revolution
Parlamentspalast 
Historische Kirchen finden sich überall im modernen Stadtbild 
Grünanlagen in der Innenstadt werden zunehmend durch Neubauten verdrängt 
Bahnhofsplatz Gara de Nord: der Gullideckel rechts unten im Bild ist Zugang zur Bukarester Unterwelt

Global #7: Siebenbürgen, Karpaten und Walachei

Obwohl ich die ungarische Puszta langsam hinter mir lasse, bleibt es weiter sonnig und heiß. In Siebenbürgen kommen zudem noch mehrere kleinere Steigungen, die es zu bewältigen gilt. Dennoch kann ich mich an der schönen abwechslungsreichen Landschaft und den vielen kleinen traditionellen rumänischen Ortschaften erfreuen. Zu schaffen machen mir aber die spürbar noch schlechteren Straßen und teils führt meine Route über unwegsame Feldwege.

In Mühlbach angekommen bereite ich mich auf den bisher anspruchsvollsten Abschnitt der Tour vor. Die folgenden zwei Tage geht es südwärts über die Karpaten entlang der Transalpina, wobei ich über auf über 2.000 Meter radeln muss. Während es am Abend des ersten Tages noch gewittert, habe ich dann am folgenden Tag bestes Wetter und genieße die Fernsichten über die Karpaten.

Südlich der Karpaten mache ich in Novice Mittagsrast und fahre dann weiter Richtung Ramnicue Valcea. Die Route verläuft dann weiter über Pitesti und am 25.07.2017 erreiche ich die Hauptstadt Bukarest.

Weite Landschaften in Transilvanien 
Ortschaft in Transsilvanien 
Die Wege sind des Öfteren sehr schlecht 
Langos ist auch in Rumänien beliebt 
Auf der Transalpina trifft man häufig Radreisende 
Unzählige Serpentinen auf der Transalpina 
Immer wieder muss ich Schieben statt Radeln
Markt in Novaci 
Ein Wald als Kunstobjekt

Global #6: Stadtbesichtigung in Budapest und Schwitzen in der Puszta

Nach einer kleinen Kneipentour durch Budapest unternehme ich mit Jean am nächsten Morgen noch eine kleine Rundfahrt durch die Hauptstadt Ungarns. Zunächst gelangen wir an die Donau und radeln vom Marktplatz südwärts und dann wieder zurück an der Fischerbastion und dem Parlament vorbei.

Noch vom Vorabend einen dezenten Kater verspürend gönnen wir uns Mittags noch eine kühle Limonade in einer schattigen Nebenstraße. Dann verabschiede ich mich von Jean, welcher weiter nach Sophia radeln möchte und später mit der Fähre über das Schwarze Meer nach Georgien gelangen möchte.

Für mich geht es nun erstmal durch den dichten Budapester Stadtverkehr ostwärts und erst am späten Nachmittag lasse ich die Stadt weit hinter mir. In den folgenden Tagen geht es dann durch eine immer heißer werdende Puszta Richtung Osten und vorbei am Theiß-See. Auf den teils sehr schlechten Straßen fahre ich mir meinen ersten Materialschaden – drei Risse in der Mantelflanke – ein. Den Fahrradmantel kann ich jedoch schnell mit Sekundenkleber und Gummiresten reparieren und bis Istanbul sollte ich es damit locker schaffen.

Parlament in Budapest 
Landwirtschaft in der Puszta 
Erster Materialschäden – drei Risse  in der Mantelflanke 
Abends sind unzählige Stechmücken unterwegs 
Ortschaft Okany